Feuerpädagogik - Was ist das?

Teile der Feuerpädagogik verfolgen grundsätzlich ähnliche Ziele wie die der Brandschutzerziehung, allerdings bei einer anderen Herangehensweise. Feuerpädagogik versteht das Feuer und den Einsatz und Gebrauch von Feuer als positive Befähigung des Menschen. Feuerpädagogik befasst sich folgerichtig mit dem selbst- und fremdverantwortungsvollem konstruktiven Umgang mit Feuer. Diese Auseinandersetzung mit dem Feuer erzeugt aktive Feuerkompetenz. Feuerkompetenz bedeutet in diesem Zusammenhang einen sicheren und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Feuer, sowie Gefahrenpotentiale richtig einschätzen zu können und präventive Maßnahmen zu ergreifen, um Brände zu vermeiden, bzw. sie zu löschen. Feuerpädagogische Maßnahmen legen den Fokus in der Regel auf das Feuer, noch bevor aus einem kontrollierten Feuer ein unkontrollierter Brand geworden ist, während Brandschutzerziehung häufig mit der Problemstellung eines Brandes beginnt. 

 

Feuerpädagogik zielt also eher auf die Befähigung des Feuermachens ab und wirkt präventiv unfallverhütend durch eine gute praktische Sachkenntnis über die Physiologie und die Benutzung des Feuers, während Brandschutzerziehung eher eine gute theoretische Sachkenntnis  für ein tatsächliches Brandereignis vermittelt. 

 

Komplexere feuerpädagogische Projekte können neben der Feuerkompetenz auch soziale Kompetenzen stärken, indem der Fokus eher auf das Feuer als Medium gesetzt wird.

 

Eine erste Definition zum Thema Feuerpädagogik ist folgende:

 

Die Feuerpädagogik bedient sich verschiedener Elemente angrenzender Fachrichtungen und Praxisfelder, um interdisziplinär mit dem Thema, beziehungsweise dem Medium Feuer zu arbeiten. Feuerpädagogische Arbeit ist positiv konnotiert, nimmt Feuer nicht in erster Linie als Schadensereignis wahr und hat eine Befähigung und einen Zuerwerb verschiedener Kompetenzen im Fokus. Dabei kann das Feuer zum Einem theoretisch und zum Anderen praktisch behandelt werden, sowohl indirekt als auch direkt im Sinne der Verwendung offener Flammen. Das Feuer, als Thema oder Medium, direkt oder indirekt kann einerseits als Mittel für einen bestimmten Zweck benutzt werden, wie zum Beispiel dem Erwerb von Sozialkompetenzen, aber auch zielgerichtet für den ausschließlichen Erwerb von Feuerkompetenz. Bedeutend für feuerpädagogische Arbeit ist eine fortlaufende Analyse der jeweils aktuellen Feuersozialisation von Kindern und Jugendlichen. Im weiteren Sinne legt die Feuerpädagogik besonderen Wert darauf, dass kulturell tradierte Formen des menschlichen Feuergebrauchs gepflegt werden und dass der Stellenwert des Feuers für die Humangenese und die moderne Gesellschaft wahrgenommen wird.

 

Grundsätzlich betrachtet die Feuerpädagogik die Beherschung des Feuers als eines der wichtigsten kultur- und zivilisationsstiftenden Errungenschaften der Menschheit. Nicht zuletzt deswegen, sondern auch um einen Beitrag dazu zu leisten, die jährliche, durch Brände verursachte Schadenssumme von 6 Mrd. Euro zu reduzieren, ist es der Feuerpädagogik ein besonderes Anliegen das Medium Feuer als positives Element sinnstiftend und nachhaltig einzusetzen und somit das Kulturgut "Feuer", sowie die Fähigkeit "Feuerkompetenz" wieder mehr in das alltägliche Bewusstsein zu stellen.

 

Warum Feuerpädagogik?

Seit der Verbannung des offenen Feuers aus deutschen Küchen und Wohnstuben in den 1960er Jahren ist die Kompetenz mit Feuer umzugehen dramatisch gesunken. Seither gibt es nur wenige bis keine alltäglichen Anlässe Kindern den fachgerechten Umgang mit Feuer zu zeigen. Die Konsequenzen sind fatal: Mittlerweile befinden wir uns in der zweiten Elterngeneration, die dem Erziehungsauftrag ohne die damals selbstverständliche Feuerkompetenz nachgeht. Nicht selten sind Erwachsene ein schlechtes Vorbild im Umgang mit Feuer. Aber auch Eltern, Erzieher und Lehrer - sprich die, die mit der Feuererziehung unserer Kinder betraut sind, sind nicht selten verunsichert. Nichts desto trotz brauchen unsere Kinder Möglichkeiten sich im Umgang mit Feuer zu erproben. Lernen sie dies nicht in einem geschützten Rahmen unter Aufsicht und mit Anleitung, werden sie ihre Experimente eigenverantwortlich durchführen, sobald sie soweit sind, sich über die herrschenden Verbote hinwegzusetzen. Diese Feuerexperimente von Kindern sind Teil ihrer Sozialisation. Auf dem Weg ihrer Kindheit brauchen sie diese entsprechenden Erfahrungen. Bekommen sie keine Möglichkeiten, werden sie sehr wahrscheinlich eigenständige Feuererkundungen vornehmen. In ihrer Unwissenheit gehen Kinder dabei sehr hohe Risiken ein. Sie versuchen ihre Experimente im Verborgenen zu machen, dort wo sie vermeintlich unentdeckt bleiben. Das kann hinter einem Vorhang sein, in der "Bude" oder der Deckenhöhle... 25% der Wohnungsbrände in Privathaushalten entstehen im Kinderzimmer! Das muss nicht sein. Um dem zu begegnen ist Feuerpädagogik ein wichtiger Baustein in der Erziehung unserer Kinder.

 

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